Die „Boat People“ wie sie hier genannt werden sind auf der Suche nach Asyl in Australien und eines der großen Themen des Australischen Wahlkampfs. Wie so häufig wird auch hier versucht mit populistischen Thesen und Maßnahmen auf Stimmenfang zu gehen und so übertreffen sich zurzeit die beiden großen Volksparteien mit Vorschlägen wie man die Einwanderung besser kontrollieren / eindämmen kann.
Doch schauen wir uns kurz die Fakten an. Der Großteil der Boat People kommt aus Sri Lanka, Pakistan und dem Iran. In 2012 waren es 278 Boote mit 17.000 Flüchtlingen an Bord. Organisiert in Schlepperbanden führt sie der Weg meist über Indonesien und den Ozean nach Christmas Island. Diese 15 x 15 km kleine Insel gehört zu Australien obwohl sie mehr als 1.500 km nördlich vom Festland liegt. Wer hier ankommt hat offiziell Australien erreicht aber halt noch nicht das Festland.
Nun war es unter der Labour Partei die letzten sechs Jahre Gang und Gebe die angekommenen Flüchtlinge in „Detention Centers“ (Leo übersetzt den Begriff mit Internierungs-/ Gefangenenlager) zu sperren, wo über einen Zeitraum von teils mehreren Jahren hinweg versucht wird den „wahren“ Flüchtlingsstatus zu ermitteln. Wer Flüchtling ist, darf aufs Australische Festland und hat praktisch ein volles Visum, um zu arbeiten und zu wohnen. Wessen Status nicht genau ermittelt werden konnte der bleibt interniert.
Da in den letzten Jahren, die Zahl der Flüchtlinge und ankommenden Boote stätig gewachsen ist wird es eng in den Detention Centers und die Lebensbedingungen verschlechtern sich zusehends. Darüber hinaus häufen sich die Unglücke und Boote versinken / Menschen ertrinken bevor sie Christmas Island erreichen.
Dies und das Gefühl in der Australischen Bevölkerung von Flüchtlingen überrannt zu werden hat nun also wieder verstärkt die Politik auf den Plan gerufen und Kevin Rudd (die noch regierende Labour Partei) führte mit einem Paukenschlag eine neue Verfahrensweise zum Umgang mit Boat People ein. Eine Woche nach seiner Amtseinsetzung flog er zu seinem Pendant in Papua Neu Guinea (PNG) und man einigte sich darauf, dass jeder Flüchtling, der per Boot illegal nach Australien einreist, direkt auf die zu PNG gehörenden Insel Manus Island verschifft wird und niemals mehr nach Australien einreisen kann. Im Gegenzug fließen großzügige Entwicklungshilfen im dreistelligen Millionenbereich von Australien an PNG.
Wow, das ist schon ein Hammer, dachten wir uns. Hier wird Deportation ganz offen und unter Wohlgefallen einer breiten Bevölkerungsmehrheit praktiziert (Labours Umfragewerte legten im Bereich der Einwanderungspolitik sofort zu!). Nebenbei bemerkt ist die Liberal Party keinen Deut besser und plant im Falle eines Wahlsiegs mit der Australischen Marine die Boote vom Festland fernzuhalten. Wie das genau aussehen soll ist noch nicht klar (wollen die die Schiffe Ernstfall versenken?).
Das ganze Thema löst jedenfalls Befremdung und auch Erstaunen über die Einwanderungsängste der Australier bei uns aus. Australien ist nicht zuletzt ein Land das zu 99% auf Einwanderung aufgebaut ist (es gibt ja kaum noch Aborigines oder Torres-Strait-Islander) und die Leute auf den Booten haben alles in ihrer Heimat aufgegeben und ihr Leben riskiert, um ein besseres in Australien zu beginnen. Ich gebe ja zu, dass es schwierig ist eine ideale Lösung zu finden (letzten Endes darf man ja auch keine Anreize für die Schlepperbanden schaffen und auch die Flüchtlinge, die den regulären Weg über die Botschaft gehen dürfen nicht benachteiligt werden); aber ist dies nun der Weisheit letzter Schluss?
Übrigens haben sich in den letzten vier Monaten auch die Bedingungen unseres 457 Visums geändert, so dass wir unter heutigen Gesichtspunkten nicht noch mal unter den gleichen Bedingungen auswandern könnten (das Verfahren ist deutlich aufwendiger geworden und man benötigt eine Mindestvorlaufzeit von vier Monaten). Eigentlich schade…
Noch ein Zusatz für
unsere Zahlenfreunde:
Nach Australien
wandern jedes Jahr ca. 500.000 Menschen ein (Tendenz steigend), davon alleine
80.000 aus Neuseeland (irgendwann werden diese Inseln wohl lehr sein). Die
Nettoeinwanderung beträgt dieses Jahr ca. 250.000.

...wird ja ein richtig politischer Blog in letzter Zeit - spannend!
AntwortenLöschenJa schon krass die Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik in Australien. Aber gerade bei diesem Thema sollten die Deutschen sich vor allem an die eigene Nase fassen und wir Daheimgebliebenen nicht aus der Ferne urteilen. Unser Staat gibt auch so gut wie niemandem mehr Asyl (die Flüchtlinge aus Syrien etc. können schön weiter in so sichere und reiche Staaten wie Jordanien, Türkei oder sogar Irak (sic!) fliehen, obwohl vielleicht "rettet" die CDU jetzt ja wahlkampfbedingt ein paar Christen), lassen die Leute hier dann nicht arbeiten und die Leute meckern man liege uns auf der Tasche, schieben viele ab und verschanzen uns hinter der "über-einen-sicheren-Drittstaat-eingereist-Lösung". Wie es hier wohl wäre, wenn Helgoland die geografische Lage von Lampedusa hätte und Deutschland ne stark frequentierte EU-Außengrenze....(die Schweiz soll hier mal nicht zählen...)?
Die Zahlen am Ende sind aber in der Tat beeindruckend, hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet aus dem so schönen Neuseeland so viele nach Australien strömen: Wirtschaftskrise? Ständige Erdbeben, oder wie kommt's?
Gruß B.H. aus B.